back to life 2016

Als mein leben begann.Nicht mehr als zuschauerin. Nicht mehr neben meinen schritten. Walking in my shoes. Living my life.

 

 

Paul B. Preciado: Testo Junkie. jetzt auch auf deutsch
"...dass Zweigeschlechtlichkeit nun wirklich nichts mit Natürlichkeit zu tun hat, sondern für alle eine recht zwanghafte Angelegenheit ist: Ob Haarpflege und die richtige Epilation im Schambereich, das Schlankheitsgebot, die Angst, ein Flittchen zu sein – oder der Druck, immer und jederzeit trinkfest und potent zu sein, zum Fußball zu gehen und seine Frau irgendwann für eine Jüngere zu verlassen. Weiblichkeit und Männlichkeit bestehen aus unzähligen Zwängen..."

 

wohl einer der grössten unterschiede zu deutschsprachigen trans communities: das politische bewusstsein. während wir uns hier seit jahren ungebrochen dem diskursiven luxus korrekter terminologie hingeben, wobei es angesichts der vielen splittergrüppchen nie konsens geben wird, gehts in den usa, in südamerika oder der türkei um unser nacktes überleben. die globalen imperialen verhältnisse spiegeln sich auch in der trans community ungebrochen wieder. intersektionalität? igitt, ein fremdwort; sorry, ich hab grad meine nächste op. ich schäme mich stellvertretend.
"This week Crystal Edmunds death equals last year's deadliest year on record for trans people. This article rightfully points out that violence against trans people is tied to high rates of unemployment, housing insecurity and lack of resources that would create more safety for trans people especially trans women of color. The problems are intersectional and structural." laverne cox

 

passing
 DER mythos der trans community. durchgehen als.... als? als cis, als cis-heti? passing ist der wohl transphobste begriff der trans community. nicht mehr sichtbar sein als trans. invisibility, unsichtbarkeit. sich wieder im heteronormativen bett einnisten. der jährliche transgender day of visibility als mutprobe, allenfalls noch die pride. "wir zeigen uns" heisst denn auch die aktuelle kampagne von "du-bist-du". yes denkt sich transfrau. thats it! und schaut sich dann die fotos der beratenden an, auch der trans beratenden. doch ooops, ein gesicht ist erkennbar, bei einem sieht man nur haare und beim dritten: die hände vor dem gesicht. die klassische geste der scham. die botschaft: ich schäme mich, trans zu sein. das ist schlimmer als internalisierte transphobie wie beim passing, das ist pure transphobie.



Tanya Walker hatte Lungenkrebs und Blut gehustet, doch ihr Arzt fragte sie nach ihren Genitalien... Ein Artikel über die Gesundheitssituation von Transmenschen in den USA. Ist es hierzulande (immer) besser?
 Mit einer ausnahme am unispital zh habe ich ausnahmslos gute erfahrungen gemacht. Bei der herzop am hirslanden, der blinddarmop im waid. Stets korrekte pronomen und ansprache, trans* wurde nie thematisiert. Ich war eine patientin wie alle anderen. Mit einzelzimmer oder zusammen mit anderen patientinnen.?
Unvergesslich jener moment, als ich notfallmässig ins waid eingeliefert wurde und mich die zuständige ärztin angesichts meines massiv angeschwollenen bauchs besorgt fragte, bevor sie mich in die mri röhre schob: frau baeriswyl, sind sie sicher nicht schwanger?
 (Btw: das alles OHNE offizielle personenstandsänderung!)



Post without pic. Sorry. And no explicite reference to male articles.
Wir essen, trinken, scheissen, lieben und ficken. Basics. Aber alles kulturell normiert und kontrolliert. Bloss beim geschlecht soll natur natürlich sein. Mann und frau - nothing else matters. Doch wenn gender binarity so natürlich ist, wieso muss kultur diese grenzziehung von kindsbeinen an einfordern, verstärken und lebenslang zementieren? Nicht gendervarianz steht zur disposition, diese ist, siehe oben, schlicht natürlich. Zur disposition stehen heteronormativität und gender binarity. Ideologien des 20. jahrhunderts: biopolitik. Macht über das leben. Macht über unser leben. Dich und mich.

 

Trotz aller verluste & schmerzen gehört die erkenntnis, trans* zu sein, mit zu den wertvollsten erfahrungen meines lebens. Nie habe ich mehr gelernt über mich, meine mitmenschen und diese gesellschaft. Proud to be trans*!
 "Doch Minderheit sein heißt nicht per se Opfer sein. Wenn wir ständig mit dem Aufspüren von Diskriminierung beschäftigt sind, besteht die Gefahr, dass uns der Blick auf das verloren geht, was wir selbst sind und was wir besitzen, der Blick auf unsere Stärke und unseren Reichtum. Wenn wir unsere generelle Benachteiligung glaubhaft vermitteln wollen, müssen wir uns nämlich hüten, über die positiven Seiten unserer Situation zu sprechen. Und so kommen im öffentlichen Diskurs unsere Stärken und unser Glück nicht vor..."

 

Podium zu trans* sein in der schweiz mit nik flütsch und mir, veranstaltet von der aidshilfe graubünden
Gegen 80 personen waren anwesend. Zunächst fragen der moderatorin melanie salis, rasch kamen fragen vom interessierten und zugeneigten publikum. 2 stunden intensivsten dialog, viel lachen, viel nachdenklichkeit, viel emotionale betroffenheit. Im anschluss berührende persönliche gespräche, unglaublich bewegend und herzlich... Ein unvergesslicher abend für alle beteiligten.
 Herzlichen dank christian conrad von der aidshilfe für die organisation, danke nik für deine geniale begleitung aus trans*männlicher sicht, danke allen, die dabei waren.



Ein artikel des bündner tagblatts zum abend über trans* sein in der schweiz in chur vom letzten mittwoch. die stimmung wird gut erfasst, die zitate sind korrekt, aber um himmels willen liebe journalistin, wieso outen sie unsere alten namen? wir haben sie nicht genannt, also warum sie? was versprechen sie sich davon, nachdem wir doch unsere vornamen schon lange offiziell geändert haben.



"Wer immer wir auch sind: unser verständnis von gender, politik und feminismus wird von unseren erfahrungen in der liebe und im sex beeinflusst. (...) wenn wir vom kampf gegen den sexismus sprechen, ist, bewusst oder unbewusst, unser gebrochenes herz mit von der partie, der verletzte stolz, die grauenhaften sexuellen zurückweisungen, enttäuschungen, einsamkeit und sehnsucht, die erinnerung an verrat, der schmerz unserer kindheit." Laurie penny, unsagbare dinge, 2015.



"'habe ich überhaupt eine chance?' damit ist gemeint: 'habe ich eine chance, jemals wirklich auszusehen wie eine normale frau oder ein normaler mann?' hinter dieser frage steckt ein rattenschwanz an gesellschaftlicher transfeindlichkeit, ihren normativen setzungen und verinnerlichung: es muss zwei eindeutige geschlechter geben, trans * körper sind hässlich, trans* menschen sind freaks. als trans* bist du nicht liebenswert. du bist nicht vollwertig. du bist nicht schön. du bist nur ein falscher mann oder eine falsche frau. beweise dass du es ernst meinst. wenn man dir deine transitionsgeschichte ansieht, bist du gescheitert." daria majewski, "dreckshomo" und "queerikone", 2016.



Ach seit wann weisst du denn, dass du cis bzw. heterosexuell bist?
 "Wann hast du gemerkt, dass du schwul/lesbisch/trans* bist?" Diese frage hat vermutlich jede_r, deren_dessen sexualität oder geschlechtsidentität von der heterosexuelllen normalität abweicht, mehr als einmal gehört. Eine probate strategie, um der einordnung der eigenen person als merkwürdigem sonderfall zu begegnen, ist die rückfrage nach dem zeitpunkt, zu dem das fragende gegenüber ihre_seine heterosexualität bzw. cis-identität entdeckt hat." Wolf, heterosexueller selbsthass?, 2016.
wohlan denn, erklärt euch, liebe cis und hetis! wann, wie und was hat das ausgelöst? selbstreflexion ist befreiend...



Sich auf facebook battlen, ok. Aber blocken und dann hinterrücks dinge posten, ohne dass sich die betreffende person wehren kann, ist ne ganz miese tour, sharon zielasek. Vor allem wenn frau vorher allen austeilt, aber auf kritik wie ne mimose reagiert.



thema intersex*, gerichtliche ablehnung eines 3. geschlechtseintrags in linz A. in transforen wird kommentiert. was da an bösartigkeiten, verleumdungen und menschenverachtung abgeht, ist unglaublich. wohlverstanden, nicht von den bösen cis-hetis, nein von "transsexuellen" menschen. also jener gruppe, die respekt und akzeptanz für sich einfordert, aber vollkommen respektlos ist... ich schäme mich.
ein auszug:
 "Tina-Thea Haist :Was ich mich frage: weshalb sollte eine Person die bestenfalls ein Rollenspieler ist, ein Mann der ohne Interesse etwas an seiner Männlichkeit korrigieren zu lassen gerne weibliche Rollen spielt und wie eine Frau lebt das Recht zugestanden bekommen sich offiziell als "inter" bezeichnen zu dürfen und das im Pass eingetragen zu bekommen ohne die Voraussetzungen dafür zu erfüllen? Mit Intersexualität hat das absolut nichts zu tun. Also eine berechtigte Abweisung!"



interviewanfrage
radio: frau baeriswyl, wir sind bei unserer recherche auf einen artikel zu ihrem coming out gestossen. wir würden gerne ein interview zu ihrer geschichte machen.
ich: ich habe wenig interesse meine geschichte wieder zu erzählen. die ist so interessant wie all die in letzter zeit veröffentlichten. aber als psychologin, transaktivistin und fachfrau für gendervarianz kann ich ihnen gerne auskunft geben über die auswirkungen von heteronormativität und zweigeschlecht- lichkeit auf gendervariante menschen, über diskriminierungen und unsere politischen gegenstrategien.
radio: da muss ich kurz rücksprache halten. (...) ja das machen wir, das tönt sehr spannend.
na also. geht doch....



"Schwuchtel! Scheiss schwuchtel", höre ich die jungs rufen. Puls auf 180. kurz nachdenken... Soll ich reagieren? Da merke ich, dass das gar nicht mir galt, sondern offenbar zum umgangston dieser jungsgruppe gehört. Was es allerdings auch nicht besser macht.



Es gehört wohl mit zu den existentiellsten erfahrungen menschlichen seins, letztlich allein zu sein. Entgegen allen täglichen anstrengungen, irgendwo dazu zu gehören, eine familie zu "haben", angehörige zu sein oder eine flüchtige liebesbezeugung zu erhaschen. Du. Aber im grunde unseres seins sind wir auf uns selbst verwiesen. Den eigenen atem spüren, den puls, einschlafen und aufwachen. Dazwischen findet das leben statt, narrativ verdichtet als biographie. Wahrnehmen denken fühlen kommunizieren. Nähe, begegnung ein steter versuch, flüchtig. Entropie.



Just an ordinary day
 Die nächtlichen träume beiseite geräumt. Die tiefe morgensonne erstrahlt meine wohnung. Die startenden flugzeuge drehen wie immer sanft seitlich ab. Auf der nordumfahrung stockt der verkehr. Der herbstliche himmel milchig blau. Ein gewöhnlicher freitagmorgen. Die welt schaut lieblich. Frieden im herzen. Es ist gut.



Wieder mal in die arme genommen werden. Ankommen. Ein kuss. Wärme. Erotik. Sex. Ja liebe, ist das zuviel verlangt? jenseits dieser verdammten cis-heteronormativität. Nicht mehr durch die konventionalisierten liebes- und begehrensraster fallen. Fuck verdammi...



Sisypha
Unerreichbar einst, weiblichkeit.
Ein phantasma.
Und je mehr ich mich diesem nähere,
Desto mehr entschwindet sie.
Im aussen.
So unerreichbar wie einst.
Herkunft
So diffus wie zukunft.
Nicht nichts,
Aber weder das eine
Noch das andere,
Ungeborgen
Im dazwischen.



Druckabfall
Podiumsdiskussion im anschluss an einen film. Gute moderation, spannende fragen und allseits differenzierte antworten. Alles improvisiert. Spontanapplaus, berührende rückmeldungen im anschluss. Die endorphine rauschen...
Im spätnächtlichen zug allein nach hause reisend den abend revue passieren lassen. Was habe ich alles nicht gesagt? Wo war ich inhaltlich und sprachlich zu wenig präzis? Wo zu persönlich, zu offen? Allenfalls zu dominant, zu langatmig?
Es ist zuweilen schwer, diese diskrepanz der gefühle auszuhalten. Danach, allein zuhause... wieder zu sich kommend. Schlaf suchend...



Ziegel oh läck
Podium mit stefan hirschauer, verfasser eines 1993 erschienen buches zu transsexualität. Nach einem "kurzen" monolog von 50 minuten zu seiner sicht von gender studies, einem historischen abriss des feminismus kulminierend in der aussage, frauen als das selbstpersonifizierte gute seien schon weitgehend das privilegierte geschlecht, kam er zum transsexualismus. Zu den geschlechts- bzw. seitenwechslern. Ohne die entwicklungen der trans-bewegung der letzten 25 jahre wahrzunehmen, ohne wirklich auf fragen einzugehen, zum beispiel ob er überhaupt community-kontakte habe, belehrte er uns, dass die auflösung der zweigeschlechtlichkeit bzw. der geschlechtskategorie an sich ein kennzeichen der moderne und trans* eine per se binäre, gender konservative retrobewegung sei. Wenn wirs ernst meinten mit der auflösung der geschlechter, sollten wir trans durch queer ersetzen. Die mediale opferdarstellung von transsexuellen sei überhöht, die selbstgewählten körperverstümmelungen pathologische anpassungen an binarität. Alltagsprobleme von trans* menschen seien noch relikte der zweigeschlechtlichkeit und aus historischer perspektive irrelevant. Gefragt nach seiner persönlichen verortung in der thematik erklärte er, als wissenschaftler sei dies irrelevant und er verweigere solche identitätspolitiken bzw. zuschreibungen
Selten einem so arroganten, besserwisserisch belehrendem menschen begegnet - auch danach im persönlicheren gespräch.
Ziegel Oh läck so en scheiss abig.

 


Mail an stefan hirschauer, gesendet 19.11.2016
Sehr geehrter herr hirschauer
Ihr buch zu transsexualität stammt aus dem jahr 1993, ihre diss. von 1991, datenlage zu transsexualität somit die 80er jahre. Graue vorinternetzeit. Seither ist über ein viertel jahrhundert vergangen, aus den vereinzelten und pathologisierten transsexuellen ist ein weltweites transgender movement geworden, eine politische kraft. Zentrales moment die entpathologisierung (vgl. aktuelle kampagne von tgeu) und geschlechtliche selbstbestimmung (vgl. hamm & sauer). Selbst im icd und dsm haben sich die begriffe und klassifikationen geändert. Weg von transsexualismus, hin zu gender dysphoria.
Die gesetzeslage ist in vielen staaten liberalisiert worden, im tsg fiel 2011 der operationszwang. Darauf sanken die genitalen ops in D massiv. Das lässt den schluss zu, dass sich viele transsexuelle nicht freiwillig, sondern allein aus juristischen gründen haben operieren lassen. Eine ungeheuerlichkeit, ein massiver verstoss gegen das menschenrecht auf körperliche unversehrtheit.
In ihrem vortrag, basierend auf einem antiquierten, pathologisierenden ts begriff, war davon nichts zu hören. Warum nicht? Haben sie diese veränderungen nicht mitbekommen? Oder passen sie nicht in ihr transphobes konzept von ts?
Als mitglied der fachgruppe trans* haben wir uns von diesem pathologischen ts begriff aus psychiatrie und medizin längst verabschiedet. Wir reden von gendervarianz, die behandlungskonzepte basieren auf informed consent und geschlechtlicher selbstbestimmung. Die rigiden standards of care sind abgeschafft. Ebenso daran orientiertes normatives operieren. Die transition ein offener prozess, orientiert an den bedürfnissen der klient_innen, nicht an normativen vorgaben. Vielfalt.
All dies entzieht sich offenbar ihrer kenntnis. Aber am entlarvendsten an ihrem rein wissenschaftlichen interesse war, dass sie sich offenbar null für die weiter bestehenden alltagsprobleme von gendervarianten menschen in dieser cis-heteronormativen, genderbinären gesellschaft interessieren. Hohe suizidalitätsraten, erhöhte arbeitslosigkeit, zwangssterilisation, mobbing, gewalt bis zu mord. All das passt halt nicht in ihre theorie des obsolet werdens der kategorie gender in der moderne. Sie hätten bloss nach der veranstaltung mit mir durch die massen der jugendlichen partybesucher gehen müssen, um eines besseren belehrt zu werden. Aber das interessiert sie nicht. Warum auch, als weisser cis-gender mann betrifft es sie ja nicht.
Mfg dr. myshelle baeriswyl, psychologin & sexualpädagogin



lisander patrick
es ist äusserst unfair, mich für einen von mir nicht authorisierten, ohne mein wissen veröffentlichten artikel, der inhaltlich und vor allem sprachlich komplett am zugrunde liegenden radiointerview von fm1 mit mir vorbei geht, anzubluffen und mich verantwortlich zu machen und zu behaupten, ICH misskreditiere trans* menschen.
 aber mich danach zu blocken, so dass ich nicht mal mehr auf die vorwürfe antworten kann, ist eine ganz miese tour und menschlich absolut inakzeptabel. shame on you!



Nicht nichts, aber noch zuwenig
In bloss 30 % aller curriculi angehender mediziner_innen in den usa und kanada findet trans* bzw gendervarianz aufnahme. Am universitätsspital BS seit 4 jahren immerhin 1 h zu diagnose, endokrinologie und chirurgie. Seit heute 2 h mit trans* beteiligung - nicht bloss als betroffene, sondern mit fachlichem input zu gendervarianz, der gesellschaftlichen konstruktion von zweigeschlechtlichkeit und normativen theorien der geschlechtsentwicklung. 150 studierende haben interessiert zugehört. Was bleibt?
Nicht nichts, aber ein anfang. Wie siehts in ZH und BE aus?
Danke den herren meier, schäfer und garcia fürs ermöglichen.



warm up
"Ich habe alle deine Berichte gelesen und auch die Radio-Sendungen gehört. Es ist ein Glück für uns Transmenschen, jemanden wie dich zu haben, die sich so stark engagiert in der Hoffnung, dass es besser wird. Deine Hingabe und dein Ehrgeiz ist eine Besonderheit, wie man sie nur selten bei Menschen antrifft. Du bist für mich ein Vorbild in jeder Hinsicht. Danke, dass es dich gibt. Du bist eine beneidenswerte Frau."
Danke marcelle



medien & weltaidstag 2016
seit jahrzehnten gibts diesen tag. immer am 1. dezember, weltweit. durchs jahr kaum mediales interesse an der aids-thematik oder an der situation hiv-positiver menschen. aber am 1. dezember wollen alle ein interview. oder einen hiv-positiven menschen beim schulbesuch begleiten.
interviews ad hoc, spontan, kurze antworten. sendezeit ist knapp. ich breche fragen zu pep, prep, unterschied hiv und aids auf 10-15 sekunden statements runter. reaktion: könnten sie das noch knapper sagen, wir haben wenig zeit. es ist einfach irre, was medial abläuft. thema abgehakt. interesse sieht anders aus. medien als agenten des vergessens. Ein teil des problems...



versöhnung
freitag morgen. die tiefe sonne erstrahlt meine wohnung. klavierimpressionen von channa erfüllen den raum. die zweite aids charity hallt nach und rundet intensive private und berufliche wochen ab.
ein paar jahre zuvor hats mich aus dem leben gerissen. ungeahnte abgründe taten sich auf. ich fiel und fiel, lag am boden. einsam, ohne perspektive, in tiefer verzweiflung ob all der verluste.
und jetzt zurück im leben. voll unerschöpflicher energie. umgeben von wundervollen menschen, die mein engagement mittragen. euch allen vielen dank. ihr macht mein leben reich.



"Ich bin grad an einer neuen geschichte", antwortete mir vor jahren eine journalistin. "Geschichte?", fragte ich überrascht, "ja weisst du", sagte sie, "wir nennens jetzt so." gewohnt nicht geschichten, sondern artikel oder texte zu schreiben, sachbezogen, recherchiert und engagiert, wunderte ich mich schon damals. Geschichten, das tönte wie märchen, simmel oder wie der scheisskitsch heissen mag. Mehr fiction als facts. Faction hiess denn auch das zauberwort eines magazins. Heute hat erreicht journalismus zu oft nicht mal mehr den wahrheitsgehalt von märchen: da wird frei nach eigenem gusto fabuliert und getextet. Quote, auflage, likes, clicks - und letztlich gehts eh nur um die eigene person. Narzissmus.



Kurzes zufälliges treffen
Entschuldigen sie, sind sie frau baeriswyl? Sie kennen mich wohl nicht, aber ich lese viele ihrer posts auf facebook und sie haben mich damit schon oft bereichert...

 

 

Woher hast du die energie gehabt?
"Tatsächlich sind die folgen einer geschlechtsangleichung mitunter überraschend. Obwohl sich die äusseren lebensumstände dramatisch verschlechtern können - trennungen, scheidungen, verlusten im sozialen umfeld, kündigungen, schmähungen - sind die menschen im allg. zufriedener." Cornelia Kunert, 2016.


Wovon hat LOS gerade gesprochen?
Carolin Emcke hat den #Friedenspreis gewonnen. Wie immer, wenn jemand was macht und auch noch erfolgreich damit ist, bekommt auch Emcke Kritik und leider mitunter Abfälliges ab. Auch aus der Schwulenszene. So kommentiert ein gewisser Dicke Hartmut: "Was ich an dieser Friedenspreisträgerin nicht mag, ist ihr burschikoses Auftreten. Auch als Lesbe kann man Frau bleiben.". Jörg Litwinschuh, Vorsitzender der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld regt das auf: "Genau dieser Kommentar von Dicke Hartmut ist beispielhaft für (schwulen) Sexismus, den wir Schwule dringend diskutieren und dem wir laut und deutlich - widersprechen müssen! Ich will auch nicht, dass uns entgegengehalten wird, "auch als Schwuler kann man Mann bleiben".


Trans* - eine einladung an die menschheit, an dich
"Trans* dient der menschlichen entwicklung des individuums sowie der gesamten menschheit. Es ist eine einladung." Uni vs. Ohm aka Jack W. Hocares.

"Jedes jahr erfahren viele trans* menschen diskriminierung und gewalt bis hin zu schweren hassverbrechen und mord. Viele tun sich sehr schwer, eine_n partner_in zu finden, der_die sie so liebt, wie sie sind." Dorothea zwölfer

"In vielen kulturen sind wir vermittler_innen, übersetzer_innen und heiler_innen in der senkrechten zwischen dem spirituellen universum, dem heiligen und den menschen. In unserer kultur bedienen wir die horizontale auf den couchs der psychiatrie und psychotherapie. Erhebt euch wieder, seid stolz. Proud to be trans*!" Myshelle baeriswyl (nicht im buch enthalten)

Aus: schreiber, g. (Hrsg.)(2016). Transsexualität in theologie und neurowissenschaften. De gruyter


zwangsouting
...und dann holt sie mich, davon erzählend, wieder ein, diese geschichte. dass der präsident meines damaligen vorstandes, heinz rothweiler aus kloten (https://de-de.facebook.com/heinz.rothweiler), mich 2011 brieflich bei ALLEN 42 zürcher unterländer gemeindsbehörden zwangsgeoutet hat und zur hexenjagd aufrief. "wenn sie sich zu diesem sachverhalt äussern möchten, dann melden sie sich"....hinter meinem rücken, alles in männlichen personalpronomen und männlichem namen. und wie er mich mahnte, mich korrekt zu verhalten und zu kleiden und ich eine geschlechtsänderung machen müsse, bevor ich als frau auftrete und einen weiblichen vornamen tragen möchte.


#schweizeraufschrei #HandeKader
Am 18. August 2016 wurde der Körper der Transgender-Aktivistin Hande Kader verstümmelt und verbrannt in Istanbul gefunden. Die junge Aktivistin und Sexarbeiterin galt seit einer Woche als vermisst. Bei einer Suchaktion haben Beamte ihre verbrannte Leiche im Istanbuler Bezirk Zekeriyaköy entdeckt. Hande Kader wurde mehrfach vergewaltigt und ihre Arme abgehackt.
Was für cis* Frauen lebensgefährlich ist, endet für trans* Frauen oft tödlich. Seit 2008 wurden gemäss dem Trans Murder Monitoring Project von TGEU weltweit über 2000 trans* Menschen, fast alles Frauen, ermordet: von Vätern, Brüdern, Fremden. Zwar nicht in der Schweiz - aber wie für cis* Frauen gibts auch für trans* Frauen in der Schweiz keinen Save Space. Weder im öffentlichen Raum, noch im sozialen Nahraum.

 

Wir schreiben das jahr 2016...

...und so sieht ein transcurriculum bei den sexualwissenschaften in A aus... Voll die klassische patho-schiene. Übelst!

Nein, nicht wir müssen uns erklären, zur disposition steht die gender binäre, heteronormative gesellschaft. Nicht gendervarianz ist erklärungsbedürftig, sondern die zweigeschlechterideologie einer gesellschaft, die uns pathologisiert und diskriminiert.

Modul 5 (man beachte die letzten drei zeilen)
Vielfalt sexueller Lebens- und Beziehungswelten
Sozialer und kultureller Wandel von Sexualitäten und Beziehungen
Sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten
Intergeschlechtlichkeiten
Trans*Verkörperungen in queeren BDSM Praktiken
Sexuelle Perversionen/Paraphilien
Sexuelle Fetische


"Wir müssen überall als Lesben präsent sein: unbequem, streitbar, respektvoll, unangepasst. Und zwar alle, die sich als Lesben definieren, ob Trans oder nicht, ist mir völlig egal. Wir sind keine Nische! Die bürgerliche Gesellschaft schenkt uns keinen Platz, wir müssen ihn schon selbst besetzen! Deshalb bin ich auch nach wie vor gerne eine Kampflesbe und genauso queer, denn ohne Euch alle bin ich nichts, und jede Ausgrenzung ist politischer und sozialer Mord." Ilona Brubeck


"Staying with a trans woman means going against what we are taught by society about sexuality and gender."
like i wished it for myself - hopeless.

 

"wenn du hormone nimmst, ist schluss", teilte sie mir. ich habe ihr nicht geglaubt - nach 25 gemeinsamen jahren? aber noch bevor ich hormone bekam, hatte sie schon einen neuen.

 

jene schneise
durch meinen
leib

eine strasse
aus gefrorenem
schmerz

schwarz
die wundränder
der nacht

niemandszeit
zwischen
den tränen

mariella mehr (1979)

(danke @güzin kar mich wieder an sie erinnert zu haben)

 



"Die Erfahrung von Wechsel- und Änderungsprozessen – das ist eine Ressource, die man nutzen kann. In Südostasien gibt es Firmen, die gezielt trans* Personen ansprechen, um Transitionsprozesse in Firmen zu leiten. Sie haben – was gerade bei diversen Belegschaften wichtig ist – die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Trans* Personen entwickeln zudem auch eine große Resilienz. Wer diesen Prozess für sich hinbekommt und halbwegs stabil und gesund bleibt oder wird: Den oder die kann kaum etwas aus der Ruhe bringen." Mari Günther


fundamentaler perspektivenwechsel
ich sags mittlerweile an jeder weiterbildung, in jedem referat, workshop oder nach bzw. vor jedem medienbericht. also auch mal hier:
Wir können uns der trans*thematik bzw. der thematik des transsexualismus, wie der medizinisch-psychiatrische terminus technicus heisst, auf zwei arten nähern:
mann_frau fragt nach ursachen, prävalenzen, diagnostischen kriterien, komorbiditäten und therapie. das ist der klassisch stigmatisierende pathologisierende weg und die domäne von medizin und psychiatrie, das exklusionsprinzip. trans* ist in dieser lesart a priori eine krankheit. an symposien werden entsprechend cis-"expert_innen" der genannten disziplinen eingeladen, die entsprechend referieren, oder trans* menschen, die stolz und servil über ihre ops berichten. es geht um normalisierungsmacht und ihre agent_innen. um gatekeeping.
Oder wir fragen uns nach den gesellschaftlichen Bedingungen und Verhältnissen, die ein bestimmtes Phänomen hervorbringen. Wir fragen also nach der genese von zweigeschlechtlichkeit, den ausschlusskriterien cis-heteronormativer kulturen/gesellschaften, thematisieren die vielfalt an geschlechtervarianten menschen und laden "betroffene" als expert_innen in eigener sache ein, die von ihren erfahrungen in einer genderbinären gesellschaft berichten. das ist der weg der inklusion. des hinterfragens gesellschaftlicher gender-machtverhältnisse. erklärungsbedürftig sind in diesem falle nicht mehr sexuelle minderheiten wie trans*, inter*, genderfluids oder queers, oder früher homosexuelle, zur disposition stünde jene normierende und ausschliessende cis-heterosexistische mehrheit, die minderheiten erst generiert.
In der ersten Lesart ist Transsexualismus ein regressives medizinisch-psychiatrisches Produkt zur Aufrechterhaltung der binären Geschlechterordnung, der gesellschaftlichen Zweigeschlechtlichkeit. In meiner Lesart ist trans* ein „kulturelles Symptom“, das über die Konstruktion von Geschlechtszugehörigkeit in unserer Gesellschaft Auskunft gibt. Ein Phänomen also, das ethnologisch, historisch und soziologisch gelesen werden muss. Emanzipativ, selbstermächtigend. Ein aspekt menschlicher vielfalt. Proud to be trans*! Trans* is beautiful!



Twelve moons
Eleven stars
Ten houses
Nine trees
Eight wishes
Seven lifes
Six senses
Five leaves
Four winds
Three spirits
Two hearts
One love



Das kleine individuelle grosse glück
- wieder eine erfüllende berufliche herausforderung zu haben
- ein mit-tragendes, anteil nehmendes soziales umfeld
- ein sicheres, schönes zuhause und ein warmes bett
- gesundheit und zufriedenheit
- den hass im herzen hinter sich gelassen haben
- sich ferien und kultur leisten zu können
- sich geliebt, respektiert und akzeptiert zu fühlen
- glücklich einschlafen und aufwachen zu dürfen
- über genügend und gutes essen und trinken zu verfügen
- keine angst mehr zu haben
- den luxus, in dieser aufzählung was wesentliches vergessen zu haben.
Ein grosses kleines individuelles glück - aber allzu vielen vergönnt.



gegen die strömung, gegen den wind
entgegen des weltlaufs blicke ich, nach einigen harten jahren, auf ein unglaublich schönes jahr 2016 zurück. beruflich und privat. ich habe viele viele menschen neu kennen und schätzen gelernt, fühle mich wieder eingebunden und getragen. der welt wieder verbunden. danke euch allen, die mir beigestanden seid und mich mittragen, le vent nous portera, to make this world a better place.
thanks everybody, love you ?
venceremos??
myshelle



Schneegestöber. Eisesglätte. Staus aufgrund von unfällen. Verspätungen im öffentlichen verkehr. In auffangzentren erfrieren flüchtende menschen. In asylzentren werden sie abgefackelt. In social media erhitzen sich die gemüter. Wenige wissens gut, die meisten besser. Die politik tut sich schwer. Wer menschliche akzente setzt, wird abgestraft. Kollektive verantwortungslosigkeit im angesichte saturierter betroffenheit. Meinungsfreiheit verkommt zu öffentlicher hetze. Zum aufruf zu gewalt. Alle gegen alle. Fast täglich läuft einer gezielt amok. In wessen namen auch immer. Häme diesseits - trauer jenseits. Morgen mischen sich die karten neu. Machts für die toten einen unterschied? Lindert das tränen? Verluste sind verluste. Sie ändern leben. Für immer. Es ist ungemütlich geworden. Jetzt auch bei uns. Psychofaktisch.



Vielfalt
Die Formenvielfalt von Schneeflocken ist fantastisch, kein Schneekristall gleicht dem anderen - ebenso wie jeder Mensch - selbst eineiige Zwillinge - einen eigenen, unverwechselbaren Fingerabdruck haben. Nur in der Geschlechtsentwicklung gehen wir weiter davon aus, dass es bloss zwei Varianten gibt....



podium vielfalt im alter
 mit bekanntem tv moderator und lokaler politprominenz. der grosse hörsaal der fhsg ist fast voll besetzt mit 200 interessierten personen. die projektleiterin präsentiert die ergebnisse der untersuchung zur awareness von lgbti in altersheimen. ergebnis: es besteht handlungsbedarf. dringend. moderation und politik beschönigen. alles sei ok. wir anderen widersprechen. eine diskussion kommt nicht auf, weder auf podium noch mit publikum. der moderator kapert die spärlichen mikrofone und reisst die regie an sich. ich koche innerlich, offenbar auch wahrnehmbar äusserlich. tigere rum. voten aus dem publikum werden anlass zu jokes seitens moderation. wohl noch selten wurde die ernsthaftigkeit und dringlichkeit eines themas von podiumsteilnehmenden dermassen torpediert. wohltuend danach die gespräche beim apero. der geteilte ärger ob der bagatellisierung der thematik. der dank für meine voten und präsenz. in welcher bubble, in welcher filterblase leben politiker und tv moderatoren?



Donna quichotta
 Wie den kampf gegen ignoranz aushalten und neue kraft schöpfen? Indem ich mich an die vielen mut machenden persönlichen rückmeldungen nach veranstaltungen halte. Die zwei frauen beispielsweise, die sich bei mir bedanken mit den worten: "kämpfen sie weiter, wie wir vor 30 jahren." Oder eine spontane umarmung. Oder jene frau, die mir sagte: "sie sind eine beeindruckende persönlichkeit!" Vielen dank, liebe unbekannte, das macht mir mut.



Transphobie
Es scheint offenbar immer noch, oder wieder vermehrt, der medialen aufmerksamkeit zu dienen, sich über trans* menschen lustig zu machen oder sie gar zu diffamieren. Wir erinnern uns an die unsägliche sendung von giacobbo/müller, jetzt meint srf mit einem weiblich gekleideten mann eine sendung moderieren zu müssen. Vor ein paar tagen strahlte bbc eine sendung über transkinder aus, als experte wurde ken zucker zitiert, der berüchtigt ist ob seiner konversionstherapien und dessen klinik in kanada deshalb geschlossen wurde. Und gestern strahlte die ard eine sendung aus mit dem titel "thailand. Die transgender fabrik". Eine dok, deren sendebeschrieb jeglichen menschlichen anstand und respekt vermissen lässt.



ein wimpernschlag - eine ewigkeit
vor zehn jahren einzug ins neue haus. neuer job. die kinder 10 und 11 jahre alt. eine familie im aufbruch. vier jahre später coming out. auszug. trennung. arbeitskampf. jobverlust. scheidung. hausverkauf. eine familie im abbruch. zehn jahre - ein wimpernschlag, subjektiv eine ewigkeit.



Was für ein reiches leben. Voller anforderungen, aufgaben und inspirationen. Glückselige momente gepaart mit funken von glutrotem ärger. Emotional bunt, ein wechselbad der gefühle. Spannung und Heiterkeit. Viel akzeptanz und resonanz. Das eine ergibt zwanglos das andere. Im fluss. Mal mäandernd, mal reissend. Mitgetragen von einem netz wunderbarer, engagierter und kämpferischer menschen. So viele farben und rhythmen. Voll unerschöpflicher energie, und diese kommt vielfach zurück. Ein unversiegbarer strom. Leben.