just an ordinary day

"ich mag dich, aber ich habe angst davor, dich als meine neue partnerin vorzustellen, denn ich riskiere meinen beruflichen respekt oder freunde zu verlieren", sagt sie. ein anderer: "ich verbitte mir kritik, ich bin der einzige, der sich in den letzten jahren mit dir in der öffentlichkeit gezeigt hat und mit dir in die ferien ging." und ein verehrer: "ich würde dich gerne privat besuchen, aber ich kann leider nicht mit dir in den ausgang gehen, falls uns meine kollegen aus dem kantonalen polizeikorps sehen..." drei stimmen – 2 männer, 1 frau – der tenor ist derselbe: als transfrau bin ich nicht repräsentabel. spannend, faszinierend oder eine nette sexuelle abwechslung im bett, das allemal. aber eine beziehung? transphobie hat viele gesichter. für mich ists der normale beziehungsalltag als transfrau.

 

"ich hätte dich nie gewählt. du bringst uns nur neue probleme, statt sie zu lösen". soweit der kommentar des abgehenden und als liberal geltenden sexualpädagogen und theologen zu mir als neuer stellenleiterin. uff, das sitzt, welcome. guter start! "du kannst mir den anruf weiter leiten", sage ich zur sekretärin, "coming-out-beratung kann ich übernehmen".... "wieso, du bist doch gar nicht schwul?" antwortet sie. ein paar tage später: "die finde ich so geil diese transe!" von wem sprichst du?", frage ich, "es ist nicht ganz korrekt, von transe zu sprechen, ist eigentlich ein schimpfwort". "ah sorry, wusste ich nicht, ich meine olivia jones." .... büroalltag! die transe im fernsehen ist geil, die transfrau als chefin problematisch. wen wunderts, dass das projekt comout "schwule und lesben an die schule" vorerst keine erweiterung richtung trans* erfahren darf. "hej, langsam, das ist zu deinem schutz", so seitens vorstand. herzlichen dank für diesen schutz, aber wer weiss besser, dass wir transmenschen nicht im reservat leben, sondern im dschungel. wer schützt sich hier wirklich?

 

im spital mit geplatztem blinddarm, dick aufgeblähtem bauch und kurz davor in den MRT geschoben zu werden. fragt mich die zuständige ärztin: "frau baeriswyl, sind sie sicher dass sie nicht schwanger sind?" ich verneinte lächelnd trotz grosser schmerzen. selten ein so ungewolltes wie unverhofftes kompliment erhalten.

 

morgens 9 uhr am flughafen zürich. ich bemerkte im vorbeigehen seine blicke und wie ihm die kieferlade vor verblüffung runter hing. selbst im rücken durchbohrten mich noch seine blicke. "do you speak english?", tönte es sekunden später rechts von mir. "yes a little bit", erwiderte ich. " oh ok, i have to say you're a so beautiful, amazing, strong woman. are you strong?" strong? ich stark? nun ja kann schon sein. "i don't know, but i think my life circumstances made me strong", erwiderte ich etwas perplex. "oh yeah, i think you're very strong. are you dominant?" oops, ich dominant? "maybe i have to be dominant in certain situations on my job", beschied ich ihm. "oh brilliant", sagte er, "so you like to dominate a man?" alles klar, hab ichs doch geahnt, woher der wind weht, "no sorry, if you mean in personal or sexual relation ships i'm not dominant." "oh no problem", erwiderte er, "the only thing i really wanted to say is you're an amazing, beautiful woman".