life goes on 2017-2

 

Konk-leon

Anfang 80er jahre. Wir brachen abends auf. Fahren so lange wir können, der alte vw-bus uns trägt und der sprit reicht. Übernachten irgendwo im französischen niemandsland am rande eines ackers. Ziel bretagne. Vesoul chaumont reims amiens cayeux sur mer. Alles route nationale. Péage never. Nicht mit uns. Wir hatten alle zeit der welt. Tage später, nach mehreren pannen mit dem bus, ankunft im finistère. Le conquet gemäss der herren in paris, konk-leon für die breton_innen. Strömender regen, kaum noch kohle, zeltplätze unter unserer würde. Camping-verbotsschilder als aufforderung. Dann verblasst meine erinnerung. Aber le conquet blieb mir präsent. Sehnsuchtsort. Und alle paar jahre ein wiedersehen. In allen erdenklichen kombinationen. Allein, zu zweit mit partnerin, zu viert mit familie oder mit freundinnen und freunden. Konk-leon. Am ende der alten welt... finis terrae.



Am bahnhof
"Hallo, hast du geld", fragte er mich. Nicht dass ich diese situationen liebe, aber ich zückte mein portemonnaie. "100 franken", präzisierte er. "Ich geb dir 2 franken", erwiderte ich. "Nein", antwortete er und lief davon.



Die grossen fragen des lebens
Lebe ich heute nach dem lustprinzip, auch wenns gemäss all der einschlägigen theorien ungesund ist, oder lebe ich nur noch gesund und bin morgen tot?
Ach ja "gesund": viel bewegung, nicht rauchen, wenig alk, safer sex, vegi essen, bewusst atmen, genügend schlaf, aktives sozialleben, erfüllender job, in partnerschaft, geistig aktiv...



Visibility
Im bus morgens an den flughafen. "Billettkontrolle", tönt es plötzlich. Dann wendet sich der kontrolleur mir zu: "und bei ihnen wie immer alles in ordnung?" "Checken sies", antworte ich, "das GA könnte ja abgelaufen sein". "Oh das glaube ich nicht", meinte er lächelnd. Oder der zugbegleiter. "Oh hallo, auch wieder unterwegs, wie gehts? Ich wünsche ihnen einen schönen tag." Sichtbarkeit hat oft mühsame seiten. Aber manchmal auch unverhofft schöne...



"Und selbst wenn ich zu Pulver zermalmt werde, werde ich dich mit meiner Asche umarmen." Liu Xiaobo



Unexpected support
 "Hallo, du kennst sicher H?", begrüsste sie mich. Ich war einigermassen verblüfft, stand ich doch mit 2 frauen vor dem meiner wohnung gegenüberliegenden kinderhort und bisher eher mit schwierigkeiten konfrontiert, was die akzeptanz meiner person bei den kids hier in der überbauung betrifft. "Ja sicher", antwortete ich. "Woher kennst du ihn?" "Ach weisst du, ich bin mutter eines transmädchens, tgns mitglied und setze mich für die aufklärung bei kindern ein. Hier im hort habe ich mit den kids bereits gearbeitet." Wir redeten noch eine weile über unsere erfahrungen und unser engagement. Wow, was für eine unerwartet bereichernde begegnung. We never walk alone.



Haubi tegscht
 Für twitter zu lang. Als kurzgeschichten zu knapp. Für gedichte zu narrativ. So schreibe ich meine texte so fragmentarisch, wie sie mir den flüchtigen erlebnissen des alltags angemessen scheinen. "Haubi songs" - nah am selbstgespräch, ungekünstelt, wider das vergessen.

 

Magic moments
Einen nachmittag lang im summer camp des kinderdorfs pestalozzi in trogen mit kids aus russland, serbien, bosnien, mazedonien... zu lgbt themen gearbeitet. Zusammen mit meinem COMOUT team. Wir treffen auf 30 gut vorbereitete, offene und neugierige jugendliche. Es war magisch, die schlussrunde berührend. Wir haben allies gewonnen, die als botschafter_innen zurück in ihre länder kehren. Dank an kate, susanne und dem ganzen pestalozzi team für diese gelegenheit & erfahrung. Ihr seid wundervoll.



Holy days
Nie sind ferien länger als wenn du im büro die lichter löschst und die türe schliesst. Aber selbst als verfechterin des alltags, "das leben findet im alltag statt", brauche auch ich zuweilen eine auszeit. Kein time-out, denn diese läuft weiter, aber distanz. Zeit-räumlich. Ohne erwartungen und anforderungen. Eigenzeit. In meinem rhythmus leben. Im einklang mit sonne und gezeiten. Und im einklang mit mir. Holy days - heilige tage.



Papina
 "Paps", sagte mir meine tochter vor einigen jahren, "ich habe ein problem. Ich kann dir nicht länger paps sagen. Und männliche pronomen gehen auch nicht. Das passt einfach nicht mehr. Aber mams als unsere mutter geht auch nicht." "Ja", erwiderte ich, "eure mutter bin ich nicht. Was machen wir jetzt?" "Ich überleg mir was", antwortete sie. Ein paar tage später kam sie zu mir und sagte: "wie wärs für dich, wenn ich dich ab jetzt papina nenne? Sie, unsere papina". Welch elegante lösung. Seitdem bin ich für meine kinder ihre papina - inkl. weiblicher pronomen. Danke rebi, du bist wundervoll.