trans* identität

 

 

"eine nordseekrabbe (crangon crangon), die ihr leben als männchen beginnt, muss es nicht unbedingt auch als solches beenden. denn die männchen besitzen die fähigkeit, sich im laufe ihres lebens zu weibchen zu wandeln..."

 

 

Die 8 Axiome der Zweigeschlechterideologie:

 

1. Es gibt nur zwei Geschlechter.
2. Jede Person hat nur ein Geschlecht.
3. Das Geschlecht ist unveränderbar.
4. Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität stimmen überein.
5. Geschlechtswechsel ist nur als temporäres Ritual akzeptabel.
6. Genitalien sind die essenziellen Indizien des Geschlechts.
7. Jede Person muss einem Geschlecht zuzuordnen sein.
8. Die Dichotomie von männlich und weiblich ist natürlich

(Schweizer & Richter-Appelt, 2012);

 

diese annahmen werden von transmenschen teilweise in frage gestellt, gleichsam transzendiert. mit unserem coming out stellen wir diese genderstereotypen unserer angehörigen, freunde und bekannten, ja unserer ganzen umwelt in frage. auch in der wissenschaft.

die pathologisierung von transsexualität hat in der psychiatrie, in den sexualwissenschaften und in der medizin tradition. in den beiden wichtigsten internationalen klassifikationen der krankheiten (ICD-10) und DSM 4) wird transsexualität noch immer als "störung" aufgeführt. dies ändert sich in den laufenden revisionen ändern.

 

 

trans* ist keine krankheit

 

trans* ist eine "gesunde normvariante" (rauchfleisch) geschlechtlicher identität. die sich von der biologie herleitende auffassung, es gibt bloss zwei geschlechter, wird weder der biologischen, geschweige denn der psychologischen geschlechtervielfalt gerecht. es gibt so viele geschlechtsidentitäten wie es menschen gibt.

auch der verbreitete glaube, dass bestimmte psychische störungen unter transmenschen verbreiteter sind, hat sich als falsch erwiesen. falls gewisse störungen häufiger auftreten, etwa depressive verstimmungen oder angststörungen, dann sind sie als reaktion auf die oft schwierigen lebensumstände zurück zu führen. transmenschen sind genau so gesund oder krank wie die übrige bevölkerung.

 

in unserer kultur bis heute weitgehend pathologisiert, in anderen kulturen als schamanen, als heilige verehrt - grösser könnte die kulturelle diskrepanz nicht sein.

 

Wie absurd die Ideologie der Zweigeschlechtlichkeit ist, zeigt Judi Herring in einem 2015 veröffentlichen Vortrag (https://www.youtube.com/watch?v=TZkcGZrupEo&app=desktop). „Keine zwei Menschen haben den gleichen Fingerabdruck. Nicht mal eineiige Zwillinge. Doch wir behaupten, dass bei einem unendlich viel komplexeren Entwicklungsprozess wie der Geschlechtsentwicklung am Schluss nur zwei Varianten vorkommen: männlich und weiblich. Und wir pressen alle Menschen, ungeachtet ihres individuellen Genderprints, in diese zwei Boxen.“

Es gibt so viele Geschlechter wie es Menschen auf diesem Planeten gibt. Jeder Mensch hat seinen eigenen individuellen Genderprint. Geschlechtervarianz ist eine Realität – wird aber nicht erkannt (Ainsworth, 2015). Zweigeschlechtlichkeit ist nicht natürlich präformiert, weder Sex noch Gender verweisen auf eine naturale Basis (Butler, 1991 1997, 2011), und Geschlechtsidentität ist ein (lebenslanger) Verortungs- und Selbstdefinitionsprozess, analog anderen Aspekten von Identität.

 

Um es mit dem 22-jährigen Transmann Mateo (zit. in Marcus, 2012, S. 32) zu sagen: „Einst las ich, gekritzelt an einer Toilettenwand, ‚Gender ist ein Universum und wir sind alle Sterne‘. Ich versuche noch immer meine Konstellation zu bestimmen.“