trans* lation

wie jede community haben auch trans* menschen eigene begriffe. folgendes glossar soll (auch) cis* menschen (siehe unten) unsere sprache, und damit auch unsere realität, etwas näher bringen. die erläuerungen sind nicht in stein gemeisselt, sondern ein work in progress.

 

 

androcur

 

medikament, das die produktion von testosteron blockiert. wird von transfrauen eingenommen und ist hoch umstritten, vor allem bzgl. dosierung und nebenwirkungen. über sinn und zweck, nutzen und schaden sowie dosierung wird in einschlägigen foren und stammtischen heftig diskutiert.

 

 

biofrau/biomann

 

dumme bezeichnung für alle nicht-transmenschen, also diejenigen, die in ihrem bei geburt zugewiesenen geschlecht leben. insofern eine dumme wortwahl, weil ja auch transmenschen biologisch sind. zudem liegt ein biologischer essentialismus zugrunde.

 

 

cis* mensch/cis* person

 

von lat. cis- für diesseits, im ggs. zu trans- für durch, hinüber, jenseits. zb. cisalpin: diesseits der alpen. ironische, teils umstrittene bezeichnung für alle nicht-transmenschen. vgl. oben bio.

 

 

drag queens/kings

 

personen, die sich (meist sehr schrill bzw. überzeichnet) öffentlich gegengeschlechtlich kleiden.

 

 

endo

 

abkürzung für den/die endokrinolog_in. die endokrionologie ist die lehre der hormone und ein teilgebiet der inneren medizin. im ggs. zu cis* menschen kommen trans* menschen kaum ohne zusätzliche hormonen aus. was verabreicht bzw. genommen wird, ist abhängig von ziel, alter, erfahrung der/des endokrinolog_in und dem eigenen wissensstand.

 

 

heteronormativität

 

gesellschaftlich tief verankerte und dominante norm, die heterosexualität inklusive zweigeschlechtlichkeit als wünschenswertes lebensmodell und rollenzuschreibung hervorhebt und damit den alltag und das denken bis in die feinsten kapillaren prägt. vgl. transphobie.

 

 

hormone/hormonfrage

 

eines der am meisten diskutierten und oft ideologisch besetzten themen unter transmenschen. die frage "was nimmst du?" kann stammtische und freundschaften bestärken, aber auch entzweien. transmänner nehmen in der regel testosteronpräparate, transfrauen östrogene und testosteronblocker.

 

 

hysterektomie

 

entfernung der gebärmutter

 

 

identitätsgeschlecht

 

im ggs. zum zugewiesenen geburtsgeschlecht. das identitätsgeschlecht zu leben ist das ziel der transition.

 

 

mastektomie

 

entfernung der weiblichen brust

 

 

östrogen

 

das wichtigste hormon zur verweiblichung, für trans* frauen als tabletten, gel, spritze oder pflaster erhältlich. dosierung und applikationsform nach alter, ziel und verträglichkeit höchst individuell.

 

 

(cis*)passing

 

von englisch "to pass for" für "durchgehen als", "sich ausgeben als". das zentralthema fast aller trans* menschen: wie werde ich von den anderen in meinem identitätsgeschlecht wahrgenommen? ein gutes passing meint somit, dass (fast) nur noch das identitätsgeschlecht, aber kaum noch das geburtsgeschlecht wahrgenommen wird. mit anderen worten: dass diese person nicht mehr als trans*, sondern als cis* wahrgenommen wird. das passing ist somit eine ästhetik des verschwindens, nicht der öffentlichen präsenz und negiert letztlich die existenz von trans* menschen, weil sie in der cis* zweigeschlechtlichkeit verschwinden.

 

http://www.refinery29.uk/passing-privilege-juno-roche


https://medium.com/@zoe.klingenfels/kritik-des-passings-114e062c071d#.3w4cyypwt

 

 

testosteron

 

das wichtigste hormon, das bei trans* männern die vermännlichung einleitet. hat für trans* männer den gleichen zentralen stellenwert wie das östrogen für trans* frauen. in CH nur in form von depotspritzen erhältlich.

 

 

trans*phobie

 

vom griech. "phobia" für "angst, furcht". damit verharmlost der begriff jedoch, dass es weniger um angst geht, als vielmehr um hass, ausgrenzung, diskriminierung bis zu gewalt gegen transmenschen geht. vgl. kapitel trans*phobie.

 

 

transgender

 

vom engl. "gender" für "soziales geschlecht" im ggs. zu "sex" als "biologisches geschlecht". wird heute meist als oberbegriff für alle formen von trans*, queer usw. verstanden. auch für personen, die keinem geschlecht zugehören können/wollen oder den begriff geschlecht ablehnen. in bestimmten transsexuellen kreisen wird der begriff aber abgelehnt, weil er für sie zu stark mit der sozialen geschlechtsrolle und vermeintlicher wahlfreiheit konnotiert ist.

 

 

transident/transidentität

 

gängiger begriff für transmenschen, der deutlich macht, dass es um identität und nicht um sexualität oder sexuelle orientierung geht. vgl. transsexuell, schwul, lesbisch, bisexuell.

 

 

transition

 

offener begriff, der den übergang vom zugewiesenen geburtsgeschlecht zum identitätsgeschlecht bezeichnet. beginnt sehr oft mit dem coming out und reicht über namensänderungen, hormonbehandlungen bis zu operationen und personenstandsänderungen. wann eine transition abgeschlossen ist, ist hoch subjektiv und individuell verschieden. für viele endet sie mit der geschlechtsangleichenden operation und der personenstandsänderung, für andere dauert sie ein leben lang...

 

 

transsexuell/transsexualität

 

gängiger gesellschaftlicher und medizinisch-psychiatrischer begriff für menschen, deren identitätsgeschlecht nicht oder nur teilweise mit dem zugewiesenen geburtsgeschlecht übereinstimmt. transsexualität gilt gemäss ICD und DSM, den beiden wichtigsten psycho-medizinischen klassifikationssystemen, als psychische störung.

 

 

transsexuellengesetz

 

juristische vorgaben bzw. richtlinien in deutschland für die namens- und personenstandsänderung von transmenschen. seit 1981, 2011 wurde der operationszwang gestrichen. in der schweiz gibt es kein transsexuellengesetz. das verfahren wird individuell bzw. kantonal geregelt und ist äusserst aufwändig (namensänderung) bzw. ohne nachweis irreversibler unfruchtbarkeit (personenstandsänderung) kaum möglich.

 

 

transvestit/crossdresser

 

eine person, die sich (zumeist alleine zuhause bzw. im privaten rahmen) gegengeschlechtlich kleidet, ohne sich dem anderen geschlecht zugehörig zu fühlen. meist sexuell konnotiert. kann auch eine übergangsform bilden, vor allem bei mann zu frau transsexuellen. vgl. harry benjamin skala